HR Allgemein
Aufbau Personalabteilung Mittelstand: Wann und wie richtig aufstellen
Marlen Kothen
am 13. Januar 2026 • 6 Min. Lesezeit
Wachstum ist für viele mittelständische Unternehmen ein Erfolgssignal, es bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. Spätestens wenn aus 10 plötzlich 30 oder 40 Mitarbeitende werden, stößt die bisher „nebenbei“ organisierte Personalarbeit an ihre Grenzen. Genau an diesem Punkt stellt sich für viele Geschäftsführungen und HR-Verantwortliche die Frage: Ab wann brauchen KMU eine strukturierte Personalabteilung und wie baut man sie sinnvoll auf, ohne unnötige Komplexität zu schaffen?

Ab wann brauchen KMU eine strukturierte Personalabteilung?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, in der Praxis zeigen sich jedoch klare Muster. In vielen KMU wird professionelle Personalarbeit zwischen 20 und 50 Mitarbeitenden notwendig. Denn in dieser Phase steigt der organisatorische Aufwand spürbar, während gleichzeitig rechtliche Anforderungen zunehmen.
Typische Schwellenwerte im Mittelstand
- Ab ca. 20 Mitarbeitenden: Recruiting, Onboarding und Verwaltung binden zunehmend Zeit der Geschäftsführung oder einzelner Fachbereiche.
- Ab 30–40 Mitarbeitenden: Wiederkehrende HR-Prozesse entstehen, die ohne klare Zuständigkeiten ineffizient werden.
- Ab 50 Mitarbeitenden: Spätestens jetzt ist eine strukturierte Personalabteilung – intern oder hybrid – kaum noch vermeidbar.
Warnsignale: Wenn Excel und E-Mail nicht mehr reichen
Unabhängig von der Mitarbeiterzahl gibt es klare Anzeichen dafür, dass HR professionalisiert werden sollte:
- Bewerbungen gehen in einzelnen Postfächern verloren
- Urlaubsstände und Fehlzeiten sind nicht mehr aktuell
- Arbeitsverträge und Dokumente sind dezentral abgelegt
- Führungskräfte verbringen immer mehr Zeit mit administrativen HR-Themen
- Mitarbeitende stellen wiederholt dieselben Fragen zu Urlaub, Arbeitszeit oder Dokumenten
Diese Symptome führen nicht nur zu Ineffizienz, sondern auch zu Unzufriedenheit und das auf beiden Seiten.
Auch rechtliche Anforderungen steigen
Hinzu kommt, dass mit wachsender Belegschaft auch die rechtlichen Verpflichtungen steigen. Themen wie Datenschutz (DSGVO), Arbeitszeiterfassung, Dokumentationspflichten, Betriebsprüfungen oder Mitbestimmungsrechte lassen sich nicht dauerhaft mit improvisierten Lösungen abdecken. Fehler oder Versäumnisse können hier schnell teuer werden.
Eine strukturierte Personalabteilung sorgt dafür, dass diese Anforderungen nicht nur erfüllt, sondern prozessorientiert und nachvollziehbar umgesetzt werden – eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Wachstum im Mittelstand.
Die wichtigsten Aufgabenbereiche für HR
Beim Aufbau einer Personalabteilung im Mittelstand ist eine klare Abgrenzung der Aufgaben entscheidend. Denn nicht alles muss sofort perfekt sein, aber die richtigen Themen zur richtigen Zeit machen den Unterschied zwischen Überlastung und echter Entlastung. In der Praxis lassen sich sechs zentrale Aufgabenbereiche identifizieren, die den Kern professioneller Personalarbeit bilden. Zur Veranschaulichung haben wir unsere Case Study von EDEKA Struve mit herangezogen.
1. Recruiting und Onboarding
Recruiting ist für viele Mittelständler der erste Berührungspunkt mit professioneller HR-Arbeit. Mit wachsender Mitarbeiterzahl steigen nicht nur die Bewerbungen, sondern auch die Anforderungen an Struktur, Geschwindigkeit und Kommunikation.
Typische Aufgaben:
- Steuerung des Bewerbungsprozesses
- Koordination von Fachbereichen
- Vertragsvorbereitung
- Strukturiertes Onboarding neuer Mitarbeitender
Praxisbeispiel Edeka Struve:
Auch bei Edeka Struve war der Fachkräftemangel deutlich spürbar. Um das Recruiting zu professionalisieren, wurde die Candidate Journey klar definiert und das Employer Branding gezielt weiterentwickelt. Ein besonderer Fokus lag auf dem Onboarding: Neue Mitarbeitende werden heute über einen zentralen Starter-Tag begrüßt. Digitale Lernmodule zu Hygiene, Arbeitsschutz oder Brandschutz sorgen für einen einheitlichen Wissensstand – ergänzt durch Mentoren in den Märkten, die insbesondere Quereinsteigern den Einstieg erleichtern.
2. Vertragsmanagement und Personaladministration
Die Personaladministration bildet das Rückgrat jeder HR-Abteilung, wird aber häufig unterschätzt. Gerade hier entstehen im Mittelstand viele manuelle Aufwände und Fehlerquellen.
Typische Aufgaben:
- Erstellung und Pflege von Arbeitsverträgen
- Verwaltung von Personalakten
- Fristen- und Dokumentenmanagement
- Ansprechpartner für Mitarbeitende und Führungskräfte
Praxisbeispiel Edeka Struve:
Zu Beginn waren viele administrative Prozesse ausgelagert oder historisch gewachsen. Mit steigender Komplexität entschied sich das HR-Team bewusst, zentrale administrative Aufgaben wieder ins Unternehmen zurückzuholen. Dafür wurden Kompetenzen aufgebaut, Prozesse dokumentiert und Verantwortlichkeiten klar geregelt – eine wichtige Voraussetzung für Transparenz und Verlässlichkeit.
3. Zeiterfassung und Abwesenheitsmanagement
Spätestens ab 20 Mitarbeitenden wird deutlich: Excel-Listen und Zurufe funktionieren nicht mehr. Transparente und rechtskonforme Lösungen sind notwendig und das auch im Sinne der Führungskräfte.
Typische Aufgaben:
- Erfassung von Arbeitszeiten
- Verwaltung von Urlaub und Fehlzeiten
- Einhaltung gesetzlicher Vorgaben
- Auswertungen für Führung und Payroll
Praxisbeispiel Edeka Struve::
Auch hier liefen viele Prozesse zu Beginn noch manuell – teilweise sogar papierbasiert. Ziel der Umstellung war nicht Kontrolle, sondern Entlastung und Verlässlichkeit: für Mitarbeitende, Führungskräfte und HR gleichermaßen.
4. Gehaltsabrechnung (intern oder extern)
Die Entgeltabrechnung ist einer der sensibelsten HR-Bereiche. Fehler wirken sich unmittelbar auf Vertrauen und Motivation aus.
Entscheidungsfrage für den Mittelstand:
- intern aufbauen
- extern auslagern
- oder als Hybridmodell organisieren?
Praxisbeispiel Edeka Struve:
Ein externer Partner hatte lange Zeit zentrale Aufgaben übernommen. Mit Blick auf wachsende Anforderungen und den Ruhestand dieses Partners entschied sich das HR-Team, die Abrechnung schrittweise neu aufzustellen – mit klaren Prozessen und verlässlichen digitalen Schnittstellen.
5. Personalentwicklung, Führung und Kultur
Mit wachsender Organisation rücken Themen in den Fokus, die über reine Verwaltung hinausgehen: Entwicklung, Führung und Unternehmenskultur.
Typische Aufgaben:
- Weiterbildung und Qualifizierung
- Führungskräfteentwicklung
- Kultur- und Wertearbeit
- Begleitung von Veränderungsprozessen
Praxisbeispiel Edeka Struve:
Ein wichtiger Schritt war die bewusste Arbeit an Teamkultur und Selbstverständnis. In Workshops wurden Vision, Mission und Rolle der HR-Abteilung definiert. Der Leitsatz: HR versteht sich als Partner und Dienstleister für die Menschen im Unternehmen – nicht als Kontrollinstanz.
6. Digitalisierung als verbindendes Element
Digitalisierung ist kein eigener Aufgabenbereich, sondern der Enabler für alle anderen. Ziel ist nicht Technik um der Technik willen, sondern Entlastung vom administrativen Ballast.
Praxisbeispiel Edeka Struve:
Ein zentrales HR-System wurde zum digitalen Rückgrat der Personalarbeit. Prozesse wurden transparenter, Informationen zentral verfügbar, manuelle Tätigkeiten reduziert. Der Anspruch dabei war klar:
Systeme sollen uns den administrativen Ballast abnehmen, damit wir Zeit für die Menschen haben.
So unterstützt Software den Aufbau einer Personalabteilung
Im Mittelstand wird HR häufig noch über Excel, E-Mail und Papierakten organisiert. Das mag anfangs funktionieren, doch mit wachsender Mitarbeiterzahl führen manuelle Prozesse schnell zu Problemen. Fehler, fehlende Transparenz und hoher Verwaltungsaufwand belasten Mitarbeitende und Führungskräfte gleichermaßen.
Die Digitalisierung der HR-Aufgaben kann diese Probleme deutlich reduzieren. Die folgende Tabelle zeigt die zentralen Aufgabenbereiche aus diesem Artikel, typische Herausforderungen und wie Software sie effizient unterstützt:
| HR-Aufgabe | Typischer Aufwand / Problem | Software-Unterstützung |
|---|---|---|
| Recruiting & Onboarding | Bewerberverwaltung über E-Mail, fehlende Übersicht, langwierige Prozesse | Bewerbermanagement, digitale Candidate Journey, Onboarding-Module |
| Vertragsmanagement & Personaladministration | Dokumente verstreut, Fristen schwer nachvollziehbar, hoher Verwaltungsaufwand | Digitale Personalakte, Workflows für Vertragsänderungen, Erinnerungen |
| Zeiterfassung & Abwesenheitsmanagement | Excel-Listen, Fehler bei Urlaub/Überstunden, fehlende Echtzeit-Übersicht | Automatisierte Zeiterfassung, Self-Service, Abwesenheitsübersicht |
| Lohnabrechnung | Manuelle Berechnung, Fehleranfälligkeit, hoher Abstimmungsaufwand | Schnittstellen zu Payroll-Systemen, automatische Berechnung, Reporting |
| Personalentwicklung & Weiterbildung | Schulungen schwer nachvollziehbar, Skills nicht erfasst | Schulungsmanagementsysteme, Kompetenzprofile, Skill-Tracking |
| Employee Self-Service | Viele Anfragen bei HR, Verwaltungsaufwand hoch | Mitarbeitende greifen selbst auf Urlaub, Abwesenheit, Formulare und Dokumente zu |