Analyse

Unternehmensgründungen Berlin: Platz 2 im Neugründungs-Score

Marlen Kothen - HRlab

Marlen Kothen

am 15. Januar 2026 • 3 Min. Lesezeit

Berlin gilt seit Jahren als Gründerhauptstadt Deutschlands. Internationale Talente, ein dichtes Netzwerk aus Investoren, Coworking-Spaces und eine hohe Sichtbarkeit für neue Ideen prägen das Bild. Doch Gründen in Berlin ist längst kein Selbstläufer. Genau das zeigt ein Blick auf den Neugründungs-Score unserer aktuellen Analyse.

Unternehmensgründungen Berlin: Platz 2 im Neugründungs-Score

Platz 2 im Neugründungs-Score: Was das wirklich bedeutet

Die von HRlab beauftragte Analyse untersucht, wo Unternehmergeist besonders stark ist – auch unter schwierigen Rahmenbedingungen. Die Grundlage dafür bieten zum einen der Strukturschwäche-Index. Dieser misst wirtschaftliche und soziale Hürden einer Region anhand von BIP, Einkommen und Arbeitsmarktdaten. Zum anderen zählen die Gewerbeanmeldungen 2024, also alle Anmeldungen in den 400 deutschen Kreisen, mit in die Bewertung.

Daraus ergeben sich folgende Kennzahlen:

  • Pionier-Score: Alle Gewerbeanmeldungen, zeigt wirtschaftliche Dynamik trotz Herausforderungen.
  • Neugründungs-Score: Nur Betriebsneugründungen, misst die echte unternehmerische Kraft.

Im Neugründungs-Score belegt Berlin bundesweit Platz 2. Dieser Wert misst nicht die bloße Anzahl an Gewerbeanmeldungen, sondern setzt echte Betriebsneugründungen ins Verhältnis zu den strukturellen Herausforderungen einer Region.

Das Ergebnis: Berlin kombiniert eine hohe Gründungsaktivität mit spürbaren wirtschaftlichen und sozialen Hürden. Genau diese Mischung sorgt für den hohen Score. Damit unterscheidet sich Berlin deutlich von strukturell sehr starken Regionen, in denen gute Rahmenbedingungen zwar vorhanden sind, der unternehmerische Mut im Verhältnis dazu aber geringer ausfällt.

Gründen in Berlin: Chancen und Reibungspunkte zugleich

Wir von HRlab finden aus eigener Erfahrung, dass Berlin ohne Frage Vorteile bietet:

  • einen großen Talentpool
  • kurze Wege in Netzwerke und Partnerschaften
  • eine hohe Offenheit für neue Geschäftsmodelle

Gleichzeitig ist die Stadt aber auch geprägt von:

  • intensiver Konkurrenz
  • steigenden Kosten
  • Bürokratie und langen Entscheidungswegen

Wie kann HR Strukturen schaffen?

Als in Berlin gegründetes Unternehmen kennt HRlab die Herausforderungen dieses Standorts aus erster Hand. Von Anfang an ging es nicht nur um Produkt und Wachstum, sondern um grundlegende Fragen moderner Personalarbeit: Wie schaffen wir ein Umfeld, das Talente anzieht, trotz Unsicherheit, Wettbewerb und begrenzter Ressourcen? Unsere wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit:

1. Attraktives Arbeiten entsteht nicht durch perfekte Bedingungen

Das Beispiel zeigt, dass sich Menschen nicht nur von Stabilität anziehen lassen, sondern von Gestaltungsspielraum. HR kann diesen Gründergeist aufgreifen, indem Rollen klar, aber nicht starr definiert sind, Verantwortung früh übertragen wird und Mitarbeitende echte Wirkung erleben. Attraktivität entsteht dort, wo Mitgestaltung möglich ist.

2. Schwächen bewusst in Stärken verwandeln

Strukturelle Herausforderungen zwingen junge Unternehmen zu Kreativität. Genau das gilt auch für HR: begrenzte Budgets, knappe Zeit oder kleine Teams können Innovation fördern, wenn Personalverantwortliche sie nicht als Defizite, sondern als Rahmen für neue Lösungen verstehen, etwa durch flexible Arbeitsmodelle, schlanke Prozesse oder schnellere Entscheidungswege.

3. Start-up-Denken endet nicht mit dem Wachstum

Viele Unternehmen verlieren mit zunehmender Größe ihren Gründergeist. HR kann hier gegensteuern, indem es Strukturen schafft, die Eigenverantwortung, Lernen und Experimentieren dauerhaft ermöglichen – statt alles zu regulieren, bevor es sich entwickeln darf.

4. HR als Strukturgeber statt Verwalter

Gerade in herausfordernden Umfeldern braucht es keine zusätzliche Bürokratie, sondern Orientierung. Gute HR-Strukturen geben Halt, ohne zu bremsen: transparente Prozesse, faire Rahmenbedingungen und klare Kommunikation schaffen Vertrauen und sind die Basis für Leistung und Bindung.

Unser Fazit: Berlin bleibt Gründerstadt - nicht trotz, sondern wegen der Hürden

Berlins Platz im Neugründungs-Score macht deutlich: Gründen ist hier kein Selbstläufer und genau das prägt den Charakter des Standorts. Menschen entscheiden sich bewusst für Verantwortung, Unsicherheit und Gestaltungsspielraum.

Für HR bedeutet das eine klare Erkenntnis: Attraktive Arbeitswelten entstehen nicht durch Perfektion, sondern durch Vertrauen, klare Orientierung und Raum für Entwicklung. Berlin ist dafür ein gutes Beispiel und für Unternehmen wie HRlab ein bewusster Standort für nachhaltiges Wachstum.

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