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HR Allgemein

Performance Management im Personal: Vom Urteil zum echten Dialog

Marlen Kothen - HRlab

Marlen Kothen

am 10. Juli 2026 • 5 Min. Lesezeit

In dieser Folge des Podcasts „von HR für HR“ spricht Lesley mit Expertin Barbara über Performance Management im Personal. Gemeinsam räumen Sie mit alten Vorurteilen auf und zeigen, wie aus einem oft ungeliebten, stressbehafteten HR-Prozess ein echtes, entwicklungsförderndes Werkzeug wird, das messbaren Mehrwert liefert und gleichzeitig die Basis für faire, transparente Vergütungsentscheidungen schafft.

Performance Management im Personal: Vom Urteil zum echten Dialog

Warum bedeutet Performance Management für viele einen Stressfaktor?

Warum löst das Wort „Performance Management“ eigentlich so oft Stress aus? Laut Barbara fängt es schon beim Namen an, der schnell Assoziationen an die „Wall Street“ und harten Leistungsdruck weckt. Das Hauptproblem liegt jedoch in der häufigen Überladung des Tools. Oftmals soll ein einziges, jährlich stattfindendes Gespräch im November oder Dezember alles gleichzeitig leisten:

  • Echte, qualitative Entwicklung ermöglichen und motivieren
  • Klares, kritisches Feedback vermitteln
  • Als rechtliche Absicherung bei eventuellen Trennungen dienen
  • Als direkte Grundlage für Beförderungen und Gehaltserhöhungen fungieren

Das Ergebnis dieser Überlastung ist ein verzerrter Prozess. Wenn am Ende eines Gesprächs eine Gehaltsentscheidung kommuniziert wird, mutiert der Austausch automatisch zum Verhandlungsgespräch. Mitarbeitende konzentrieren sich darauf, sich möglichst optimal darzustellen, anstatt offen über Entwicklungspotenziale zu sprechen.

Zudem kommt ein jährlicher Rhythmus viel zu spät: Wenn im Spätherbst besprochen wird, was im Januar schiefgelaufen ist, gleicht das Feedback eher einem Urteil statt einer Hilfestellung.

Die ganze Folge "von HR für HR" auf Spotify

Über Barbara

Barbara Wiecher ist studierte Psychologin und blickt auf 20 Jahre HR-Erfahrung in unterschiedlichsten Rollen und Unternehmen zurück. Heute unterstützt sie als selbstständige Beraterin HR-Abteilungen bei der sinnvollen Einführung und Nutzung von Performance-Tools sowie in der Führungskräfteentwicklung und im Teamcoaching.

Die 3 Grundlagen für entwicklungsförderndes Feedback

Um von der reinen Leistungsbeurteilung zu einem echten Mehrwert zu gelangen, müssen Unternehmen an den Grundlagen ansetzen. Starre Ratingsskalen von 1 bis 5 (z. B. zur Kommunikationsfähigkeit) besitzen keine wirkliche Aussagekraft und bieten weder der Führungskraft noch dem Mitarbeitenden einen echten Mehrwert. Es gilt also, weg von starren Zahlen und hin zu einem kontinuierlichen Prozess im Talent Management zu kommen.

  • Eindeutige Rollenerwartungen: Ein fundiertes Feedback ist unmöglich, wenn die Erwartungen an die jeweilige Rolle nicht definiert sind. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen den Anforderungen an einen Junior- und einen Senior-Ingenieur. Eine etablierte Stellenarchitektur und Job-Gradings helfen enorm, müssen jedoch von den Führungskräften im Alltag mit Leben gefüllt werden.

  • Weg von der Zahl, hin zur Beobachtung: Eine "3" auf einer Skala sagt nichts aus. Wertvolles Feedback basiert auf konkreten Beobachtungen. Die Führungskraft muss klar benennen können, an welchen Beispielen sie eine Erwartungshaltung festmacht und wie eine gezielte Veränderung aussehen kann.

  • Regelmäßigkeit im Prozess: Ein formelles Gespräch im Jahr kann als Dokumentationsanker dienen, aber alles, was dort besprochen wird, darf keine Überraschung sein. Performance Management muss als ganzjähriger Prozess gelebt werden – durch regelmäßige Check-ins und direktes Feedback im Alltag.

So lassen sich Ergebnisse und Verhalten richtig verknüpfen

Leistungsmessung darf niemals einseitig sein. Ein ausgewogenes System betrachtet immer zwei Dimensionen - das "Wie" und das "Was". Denn: "Ich kann ja super das Projekt durchgerockt haben. Wenn aber keine Zusammenarbeit mehr möglich war, weil ich mich wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten habe, stimmt das Gesamtergebnis nicht", erklärt Barbara.

DimensionFokusBeispiel
Ergebnisse ("What")Harte Kriterien, quantitative Ziele und KPIsUmsatzziele, Marge, gewonnene Neukunden oder Projekt-Milestones
Verhalten ("How")Die Art und Weise der ZielerreichungTeamfähigkeit, Kommunikation, Ausleben von Unternehmenswerten (z. B. Innovationskraft)

Kalibrierungsrunden gegen die Subjektivität

Da Leistung ein hochkomplexes Thema ist, das stark vom Marktumfeld und externen Faktoren abhängt, ist eine 100-prozentige Objektivität eine Illusion. Personalabteilungen drohen oft, sich in hochkomplizierten Berechnungen und Gewichtungen zu verlieren. Barbara rät dabei zum Beispiel zur folgenden Lösung: Kalibrierungsrunden (auch Talentkonferenzen genannt).

Das Framework der Kalibrierungsrunde

Bevor die eigentlichen Feedbackgespräche starten, setzen sich Führungskräfte einer Ebene (Peers) für circa eine Stunde zusammen. Sie besprechen die vorläufigen Einschätzungen ihrer Teammitglieder und gleichen sie untereinander ab. Statt auf starre Ratings setzen zukunftsorientierte Unternehmen dabei auf entwicklungsorientierte Kategorien:

  • Kategorie 1: Muss noch in die Rolle reinwachsen (Direkte Verknüpfung mit gezielten Entwicklungsmaßnahmen).
  • Kategorie 2: Passt genau richtig in die Rolle / trifft voll die Erwartungen.
  • Kategorie 3: Kann sich auf gleicher Ebene breiter aufstellen / in andere Themengebiete entwickeln.
  • Kategorie 4: Bereit für die vertikale Entwicklung (Vorbereitung auf eine Beförderung).

Durch den Austausch im Führungskreis wird das Risiko von "Nasenfaktor-Beurteilungen" minimiert. Kollegen bringen neue Perspektiven und konkrete Beispiele ein, die eine Führungskraft allein vielleicht übersehen hätte. Zudem dient die Runde als kollegiale Beratung, wie schwieriges Feedback konstruktiv vermittelt werden kann.

Mut zum Konflikt: Wie Feedback die Kultur formt

Der größte Stolperstein im Performance Management ist die Konfliktscheu von Führungskräften. Kritische Punkte anzusprechen und sich der Situation auszusetzen, dass ein Mitarbeitender eine völlig andere Selbsteinschätzung hat, erfordert Mut und Kompetenz. Viele Führungskräfte weichen diesen Gesprächen aus Angst vor Konflikten aus. Hier ist HR als strategischer Partner gefragt: HR-Business-Partner müssen Führungskräfte im Vorfeld coachen, Gespräche durchgehen und gemeinsame Formulierungen erarbeiten.

Zudem ist Performance Management ein stark kulturformendes Tool. Es definiert, was im Unternehmen als gute oder schlechte Leistung gilt. Eine High-Performance-Kultur lässt sich nicht mit rein harmonieorientierten "Happy-Happy-Gesprächen" aufbauen, bei denen kritische Themen verschwiegen werden, damit jeder seinen Bonus erhält. Gleichzeitig darf ein mitarbeiterorientiertes Unternehmen keine verletzende Feedback-Kultur dulden. Der Prozess muss exakt zu den gelebten Unternehmenswerten passen.

Tipps für die ersten Schritte

  • Erwartungshorizont pro Level festlegen: Definieren Sie die spezifischen Anforderungen für jedes Joblevel unmissverständlich über Ihre Stellenarchitektur.
  • Feedback-Gespräche entzerren: Trennen Sie die qualitative Entwicklung der Mitarbeitenden konsequent von starren Notenbewertungen und reinen Gehaltsverhandlungen.
  • Unterjährige Feedback-Schleifen etablieren: Verankern Sie regelmäßige, kurze Check-ins im Arbeitsalltag, um Überraschungen am Jahresende zu vermeiden.
  • Kollegiale Kalibrierungsrunden ansetzen: Schaffen Sie vor den Gesprächen ein einstündiges Austauschformat für Führungskräfte auf Peer-Ebene für eine gemeinsame Einordnung.
  • Führungskräfte als Sparringspartner begleiten: Befähigen Sie Führungskräfte durch gezieltes HR-Coaching im Vorfeld, um die Angst vor kritischen Gesprächen zu nehmen.

Disclaimer: Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Inhalte unser Internetseite einem unverbindlichen Informationszweck dient und entsprechend keiner offiziellen Rechtsberatung gleichkommt. Das beinhaltet auch Beiträge zu rechtlichen HR-Themen, deren Inhalt eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung nicht ersetzt. Aus diesem Grund sind alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Die Inhalte unserer Internetseite werden allerdings mit größter Sorgfalt recherchiert.

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