Fristlose Kündigung - Gründe, Abmahnung und Folgen

Die fristlose Kündigung eines Arbeitsverhältnisses ist immer eine drastische Maßnahme. Egal ob sie vom Arbeitnehmenden oder vom Arbeitgeber ausgesprochen wird, diese Art der Kündigung hat weitreichende rechtliche und finanzielle Folgen für beide Parteien. Um ein klares Verständnis für diesen Prozess zu erlangen, ist es wichtig, die Gründe, Verfahren und Auswirkungen der fristlosen Kündigung, auch auf das Arbeitslosengeld, zu verstehen.


fristlose Kündigung

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine fristlose Kündigung ist eine außerordentliche Kündigung und bedeutet das sofortige Ende eines Arbeitsverhältnisses, ohne Einhaltung von Kündigungsfristen.
  • Diese kann sowohl vom Arbeitnehmenden, als auch vom Arbeitgeber ausgesprochen werden.
  • Einer fristlosen Kündigung muss immer ein schwerwiegender Grund vorausgehen.
  • Dies sollte auf rechtlich soliden Grundlagen erfolgen um weitere Komplikationen zu vermeiden.
  • Als Vorstufe der fristlosen Kündigung ist in den meisten Fällen eine Abmahnung auszustellen.

Fristlose Kündigung Definition

Eine fristlose Kündigung ist eine Kündigung, bei der ein Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung endet. Im Gegensatz zur “ordentlichen” Kündigung werden bei einer fristlosen Kündigung die üblicherweise vertraglich oder gesetzlich geregelten Kündigungsfristen nicht eingehalten.

Die fristlose Kündigung kann sowohl vom Arbeitnehmenden als auch vom Arbeitgeber ausgesprochen werden. In beiden Fällen ist jedoch ein schwerwiegender Grund vorausgesetzt - sonst ist die Kündigung nicht rechtswirksam.

Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

In vielen Fällen wird empfohlen, dass der Arbeitnehmende sich zuerst an einen Rechtsbeistand wendet, um sicherzustellen, dass die Kündigung auf rechtlich soliden Grundlagen erfolgt. Denn, die rechtlichen Anforderungen und Bedingungen für eine fristlose Kündigung durch einen Arbeitnehmenden können je nach Rechtsprechung und individuellen Umständen variieren.

Neben schwerwiegenden Gründen wie Täuschung, sexuellen Übergriffen und Belästigung sind hier einige weitere Gründe, die einen Arbeitnehmenden dazu berechtigen, eine fristlose Kündigung zu vollziehen.

  • Gefährdung der Gesundheit oder Sicherheit Wenn der Arbeitsplatz des Arbeitnehmenden eine unmittelbare Gefahr für seine Gesundheit oder Sicherheit darstellt und der Arbeitgeber nicht in der Lage oder nicht bereit ist, angemessene Abhilfemaßnahmen zu ergreifen, stellt dies einen gerechtfertigten Grund für eine fristlose Kündigung dar.

  • Ausbleiben von Lohnzahlungen Das Ausbleiben von Lohnzahlungen über einen längeren Zeitraum hinweg ist das Verletzen einer wesentlichen Verpflichtungen aus dem Arbeitsvertrag. Geschieht dies weiterhin trotz Abmahnung durch den Arbeitnehmenden, berechtigt es diesen meist zu einer fristlosen Kündigung.

  • Fortgesetzte Diskriminierung Wenn ein Arbeitnehmender fortwährend belästigt oder diskriminiert wird und der Arbeitgeber trotz angemessener Beschwerden keine geeigneten Maßnahmen ergreift, um die Situation zu lösen, kann dies als schwerwiegender Verstoß gegen den Arbeitsvertrag angesehen werden.

  • Anstachelung zur Begehung von Straftaten Wenn der Arbeitgeber von Arbeitnehmenden verlangt, kriminelle Handlungen auszuführen, stellt dies einen Grund für eine unverzügliche fristlose Kündigung dar.

Fristlose Kündigung durch Jobwechsel?

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmenden für einen neuen Job ist NICHT möglich. Wenn Arbeitnehmende das Unternehmen für eine neue Anstellung verlassen möchten, müssen sie sich an die gesetzlich oder vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist halten, um dem Arbeitgeber Planungssicherheit zu gewähren.

Muster für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmenden sollte bestimmte Elemente enthalten, um rechtlich wirksam zu sein und potenzielle Missverständnisse zu vermeiden. Hier sind wichtige Informationen, die in einer fristlosen Kündigung zu finden sein sollten:

  • Name und Adresse des Arbeitnehmenden
  • Name und Adresse des Arbeitgebers
  • Datum und Ort der Kündigung
  • Bitte um Ausstellung eines Arbeitszeugnisses
  • Klare und Präzise Angabe des Kündigungsgrundes

Es ist hilfreich, der Kündigung schriftliche Beweise oder Dokumentationen beizufügen, die den Grund für die fristlose Kündigung unterstützen.

Wichtig: Die Kündigung sollte dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden. Es ist ratsam, dies persönlich zu tun und sicherzustellen, dass die Kündigung auch per Einschreiben oder mit einem anderen nachweisbaren Zustellungsverfahren versandt wird, um einen klaren Nachweis über den Erhalt zu haben.

Gesetzliche Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag

Das deutsche Arbeitsrecht ist durch eine Vielzahl von Regelungen und Vorschriften gekennzeichnet, die das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden regeln. Eine der zentralen Aspekte, die im Kontext von Arbeitsverhältnissen beachtet werden müssen, sind die Kündigungsfristen.

kuendigungsfrist

Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber

Da eine fristlose Kündigung eine schwerwiegende Maßnahme ist, sollte der Arbeitgeber sicherstellen, dass die Gründe für die Kündigung ausreichend dokumentiert und rechtlich begründet sind. Im folgenden eine Auflistung der Gründe, die unter anderem eine fristlose Kündigung seitens des Arbeitgebers rechtfertigen.

  • Diebstahl Wenn ein Arbeitnehmender Waren, Geld oder andere Vermögenswerte des Unternehmens stiehlt oder unterschlägt, kann dies als schwerwiegender Verstoß gegen den Arbeitsvertrag betrachtet werden und eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

  • Schwere Pflichtverletzung Dies kann verschiedene Formen annehmen, wie z.B. fortgesetzte Arbeitsverweigerung, unentschuldigtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz, grobe Verletzung von Sicherheitsvorschriften oder Sabotage, die den Betrieb des Unternehmens beeinträchtigt.

  • Vertrauensbruch Wenn ein Arbeitnehmender vertrauliche Unternehmensinformationen weitergibt oder Geschäftsgeheimnisse offenlegt, die dem Unternehmen erheblichen Schaden zufügen könnten, ist das Vertrauen dahin.

  • Verletzung des Arbeitszeitgesetzes Wenn ein Arbeitnehmender wiederholt gegen Arbeitszeitgesetze verstößt, beispielsweise durch unerlaubte Überstunden, Nichtbeachtung von Ruhepausen oder Arbeitszeitaufzeichnungen, kann dies als ausreichender Grund für eine fristlose Kündigung angesehen werden.

  • Sexuelle Belästigung Fälle von sexueller Belästigung, Diskriminierung oder Mobbing am Arbeitsplatz können erhebliche rechtliche und ethische Bedenken aufwerfen und könnten einen Arbeitgeber dazu veranlassen, den Arbeitnehmenden fristlos zu entlassen, insbesondere wenn schwerwiegende Beweise für derartiges Verhalten vorliegen.

  • Straftaten außerhalb des Arbeitsplatzes In einigen Fällen können Straftaten, die außerhalb des Arbeitsplatzes begangen werden und das Ansehen des Unternehmens beeinträchtigen könnten, ebenfalls einen Grund für eine fristlose Kündigung darstellen.

  • Verletzung von Unternehmensrichtlinien: Wenn ein Arbeitnehmender wiederholt gegen wichtige Unternehmensrichtlinien oder Verfahren verstößt, selbst nach wiederholten Warnungen oder Disziplinarmaßnahmen, kann dies als schwerwiegender Verstoß gegen den Arbeitsvertrag angesehen werden.

Fristlose Kündigung ohne Abmahnung

Die Abmahnung spielt eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit fristlosen Kündigungen, da sie als Voraussetzung für eine rechtmäßige fristlose Kündigung gilt.

Eine Abmahnung ist im Grunde eine schriftliche Mitteilung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmenden, in der dieser über ein Fehlverhalten informiert wird und darauf hingewiesen wird, dass eine Wiederholung oder Fortsetzung dieses Verhaltens zu ernsthaften Konsequenzen, einschließlich einer fristlosen Kündigung führen kann.

Im Optimalfall kann das Fehlverhalten hierdurch eingestellt und eine fristlose Kündigung verhindert werden.

Es gibt jedoch Umstände, unter denen eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnungen erfolgen darf. Hierzu gehören Kleinbetriebe, in denen das Kündigungsschutzgesetz nicht greift oder wenn eine schwerwiegende Pflichtverletzung wie beispielsweise Diebstahl vorliegt.

Fristlose Kündigung in der Probezeit

Auch in der Probezeit ist eine fristlose Kündigung ohne Abmahnung möglich. Hierbei darf das Arbeitsverhältnis noch nicht länger als sechs Monate bestehen. Denn bei Arbeitsverhältnissen, die weniger als sechs Monate bestehen, greift das Kündigungsschutzgesetz nicht.

Die Gründe für eine fristlose Kündigung in der Probezeit müssen jedoch ebenfalls schwerwiegend sein, sonst ist die Kündigung auch in der Probezeit nicht rechtswirksam.

Fristlose Kündigung und Arbeitslosengeld

Wenn der Arbeitnehmende eine fristlose Kündigung erhält, gibt der Arbeitgeber als Grund für die Kündigung in der Regel vertragswidriges Verhalten an. Dies hat zur Folge, dass der Arbeitnehmende beim Arbeitslosengeld eine Sperrzeit von 12 Wochen bekommt. Denn eine verhaltensbedingte Kündigung führt immer zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.

Um die Ansprüche auf das Arbeitslosengeld zu bewahren, sollte der Arbeitnehmende immer eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Deshalb empfiehlt es sich, nach Erhalt der fristlosen Kündigung einen Anwalt für Arbeitsrecht einzuschalten.

FAQ - Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Die häufigsten Gründe sind Diskriminierung, sexuelle Belästigung und das Ausbleiben der Lohnzahlungen. Aber auch die Gefährdung der Gesundheit oder das Ermutigen zu Straftaten kann ein Grund für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmenden sein.

Die häufigsten Gründe sind Diebstahl, schwere Pflichtverletzung und Vertrauensbruch. Aber auch hier kann die sexuelle Belästigung oder das Verletzen des Arbeitszeitgesetzes ein Grund für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber darstellen.

Bei einer rechtswirksamen fristlosen Kündigung wird kein Gehalt mehr ausgezahlt. Zudem kann für den Arbeitnehmenden eine 12-wöchige Sperre des Arbeitslosengeldes auftreten.

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