HR Rechtslage
Urteil: Arbeitszeiterfassung ist in Deutschland laut Gesetz Pflicht
Marlen Kothen
am 6. Februar 2025 • 3 Min. Lesezeit
Die Zeiterfassung in Deutschland ist seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 13. September 2022 verpflichtend. Arbeitgeber müssen ein System einführen, mit dem die gesamte Arbeitszeit der Beschäftigten dokumentiert wird. Damit folgt Deutschland den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und setzt konsequent auf Transparenz und Arbeitsschutz.

Warum ist Zeiterfassung in Deutschland Pflicht?
Die Arbeitszeiterfassung schützt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Überlastung und fördert faire Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig profitieren Arbeitgeber, weil sie rechtssicher handeln und Streitigkeiten vermeiden.
Die gesetzliche Grundlage findet sich im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG, § 3 Abs. 2 Nr. 1), das nach europäischer Auslegung eine objektive, verlässliche und zugängliche Zeiterfassung verlangt.
Arbeitszeiterfassung in Deutschland: Das sagt das Gesetz
Am 13. September 2022 stellte das Bundesarbeitsgericht klar: Arbeitgeber in Deutschland sind nach § 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) - unter Vornahme einer unionsrechtskonformen Auslegung - verpflichtet, ein System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen. Dieses Systems zur Arbeitszeiterfassung muss aktiv genutzt werden, es reicht nicht, den Beschäftigten ein optionales Tool bereitzustellen. Damit ist die Pflicht zur Zeiterfassung in Deutschland nicht mehr nur eine Empfehlung, sondern ein verbindlicher Bestandteil des Arbeitsrechts.
Grundlage ist das EuGH-Urteil von 2019 zur Arbeitszeitrichtlinie. Dabei bezieht sich das BAG auf ein Urteil, welches die Auslegung der Arbeitszeitrichtlinie betraf. Nach der BAG-Entscheidung ist das Urteil des EuGH aufgrund des Arbeitsschutzgesetzes bereits heute von den Arbeitgebern in Deutschland zu beachten.
Anforderungen an ein System zur Arbeitszeiterfassung
Welches System Sie als Unternehmen zur Erfassung der Arbeitszeiten einführen, ist natürlich Ihnen überlassen. Folgende Punkte müssen allerdings unbedingt durch das System Ihrer Wahl abgedeckt werden:
- DSGVO-konform und sicher
- Tägliche Dokumentation der Arbeitszeit möglich
- Transparenz und Verlässlichkeit gewährleistet
- Unterstützung von Projekten, Tätigkeiten und Korrekturen
- Beteiligung des Betriebsrats bei der Einführung
Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Arbeitszeiterfassungspflicht
Lange Zeit drohten Unternehmen keine direkten Strafen, wenn sie die Arbeitszeit nicht dokumentierten. Doch inzwischen plant das Bundesarbeitsministerium, Verstöße als Ordnungswidrigkeit einzustufen. Das bedeutet: Bei fehlender Zeiterfassung können in Deutschland per Gesetz **Bußgelder von bis zu 30.000 €**verhängt werden. Unternehmen sollten deshalb zeitnah ein geeignetes System einführen, um rechtliche Risiken zu vermeiden. Eine gute Hilfe dabei, bietet zum Beispiel unser Leitfaden für die Einführung.
Fazit: Zeiterfassung Deutschland – Pflicht und Chance zugleich
Die Zeiterfassung in Deutschland ist mehr als nur eine gesetzliche Vorgabe. Sie sorgt für Rechtssicherheit, Gesundheitsschutz und Transparenz im Arbeitsalltag. Unternehmen, die frühzeitig auf ein digitales Zeiterfassungssystem setzen, erfüllen nicht nur ihre Pflicht, sondern verschaffen sich auch Vorteile bei Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit.

